Ostersonntag, 5. April 2026:
Endlich geht es los. Nach Vesper und Osterabendmesse im Dom, hat mich Andi schon erwartet und mich zum Hauptbahnhof begleitet. Ich mit vollbepacktem Rucksack, den Motorradhelm und die leere Notliter-Benzinflasche außen am Rucksack baumelnd.
Jetzt könnte man es sentimental nennen, dass Andi mich zum Zug bringt, aber es erwies sich fast als lebensnotwendig. Wir bestiegen den ÖBB-Nightjet und suchten meine Mini-Cabin, die sich oben befindet.
Zuerst fragten wir uns, wie die Gepäckfächer aufgehen. Mit Anleitung per QR-Code bekamen wir heraus, dass man die Zugangstür zur Schlafkabine entriegel muss, um beide Schließfächer zu öffnen. Immerhin hatten wir Glück, denn andere Kabinen ließen sich gar nicht öffnen.
Andi und ich versuchten den Rucksack zu verstauen: Fehlanzeige, zu groß. Jetzt ist mein Rucksack zugleich mein Kopfkissen. Bis der Zug abfuhr, hatten wir noch viel Spaß beim Erkunden der Kabinentechnik.




Dann fuhr zur Zug los, Andi hst ihn natürlich rechtzeitig verlassen gehabt. Nach der Fahrkartenkontrolle in Rosenheim, zog ich mich in meine Kabine zurück und übe das Leben einer Ölsardine ein. Zuerst dachte ich, die Länge der Kabine wäre dss Problem. Weit gefehlt, ich bin zu breit dafür. Ich dachte auch, dass es Ölsardinen heiß haben. Von wegen, hier zieht es wegen der Klimaanlage und es ist saukalt. Willkommen Erkältung! Temperaturänderung muss beim Zugpersonal beantragt werden. Dieses ist nicht zu sehen.
Dafür kann man Licht von weiß in ein kuscheliges rot umstellen. So stelle ich mir ein Freudenhaus vor.
Also stürze ich mich in das nächtliche Abenteuer und berichte morgen weiter.


Ostermontag, 6. April 2026:
Die Klimaanlage war die Hölle. Nicht die mit der Hitze, sondern die von Novosibirsk mit der eisigen Kälte. Die Nase lief, immer wieder Niesen; wir haben uns abgewechselt in den Kabinen. Insgesamt daher kurz und schlecht geschlafen.
Irgendwann, nachdem ich mich wie ein Baletttänzer verbogen habe – ich war erstaunt, dass es noch geht – habe ich die richtige Positon gefunden.Wichtig war, die Decke über den Kopf zu ziehen, um die Kühlung abzumildern.
Jeder hat sich an die Ruhezeit an 21.00 Uhr gehalten, was mich verwunderte, weil einige junge Männer mit Biervorrat mitgefahren sind.
So schaut man dann am Morgen aus:

Mit 45 Minuten Verspätung in Florenz angekommen. Stadtbus genommen Richtung Vespa-Verleih. Kamikaze Busfahrer, aber so sind ja alle in Italien.
Habe zwei Frühstückssemmeln von der ÖBB zum Frühstück mitbekommen. Da ich keine Lust hatte, abgepackte Marmelade dazu zu essen, ging ich Einkaufen und genoss eine Stehbrotzeit in der Sonne.



Zuerst dachte ich, dass ich einen sinnlosen Umweg zum Verleih gelaufen bin, aber der HERR hat mich zu einer Anbetungskirche geführt, in der ich die verbliebene Stunde Wartezeit verbringen konnte. Sie war wirklich gleich ums Eck.


Endlich gab es um 10.00 Uhr die Vespa. Er wollte mir wieder mal eine Primavera andrehen, obwohl ich eine Sprint gebucht hatte. Ich habe drauf bestanden, weil die Sitzhöhe bei der Sprint angenehmer ist. Habe noch meine Handyhalterung installiert und los gings…

Der Verkehr in Florenz ist nicht so arg wie in Rom, aber die ZTLs machen mich wahnsinnig. Zuerst ist eine Stecke noch frei für den Verkehr, dann steht auf derq elektronischen Anzeige plötzlich: Fußgängerzone. Nur Google Maps hat keine Ahnung davon. Also bin ich zweimal im Kreis gefahren, bis ich endlich eine andere Strecke angezeigt bekam.
Nach 25 Minuten schönstem Florenz bei traumhaften Temperaturen kam ich an der Unterkunft an. Dort wurde ich von Leti (=Letizia) freudlich begrüßt. Sie überwarf sich vor Freundlichkeit als sie mit mir italienisch sprechen konnte. Wie abgemacht, konnte ich den schweren Rucksack in die Ferienwohnug stellen. Ich war vom Gelände hier sofort begeistert:



Leti hat mir zwei traumhafte Orte genannt, die ich gleich besuchen wollte. Jedoch musste ich nach etwa 20km feststellen, dass mein Handyakku zuneige ging. Also umdrehen, da ich sonst kaum mehr zurückgefunden hätte😪 Der Ladeadaptor war natürlich im Rucksack.


Immerhin, die Wohnung war bei meiner Rückkehr fertig, ich übrigens auch, so dass ich mich für anderthalb Stunden Schlafen legte. Hier ein paar Eindrücke aus der Wohnung im Souterrain:





Nachdem ich wieder wach war, fuhr ich Einkaufen fürs Abendessen, weil ich so erschöpft vom Ostersonntag und der Anfahrtsnacht bin, dass ich keine Lust auf ein Ristorante hatte.
Beim Rückweg habe ich einen Umweg zum Piazza San Michele gemacht, um einen typischen Fotopunkt von Florenz aufzusaugen. Ist das schön, der Fluss Arno und der Dom im Hintergrund. Für Stefan auch immer ein Foto ohne mich:




Dann bin ich in meine Wohnung gefahren, um im Garten das Abendessen einzunehmen: Pizza Salsicce, Salat und Obstsalat. Dazu eine Flasche Wasser und zwei 🥰 Gläser Chianti von 2023. Ich wohne fast an der Chianti- Weinstraße, da muss das sein.


Zufrieden schaue ich in die toskanische Abendsonne. Komme mir vor wie ein Schriftsteller, der seine Werke inspiriert von der Toskana verfasst. Irgendwie habe ich euch durch das Schreiben mit am Tisch sitzen. Himmlisch.
Jetzt werde ich noch Vesper und Komplet in der Sonne beten und schließlich die Hl. Messe in der Wohnung feiern. Dann ins Bett, die letzten Nächte hatten es in sich.

Dienstag, 7. April 2026:
Ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem ersten Aufenhaltstag so gut geschlafen zu haben wie hier. Ob es wohl am Wein lag oder doch an der guten Luft und der großartigen Matratze?
Jedenfalls bin ich irgendwann aufgewacht, habe die Hl. Messe gefeiert, Brevier gebetet, einen Espresso getrunken und die Vespa gesattelt. Kurz nach 8 Uhr machte ich mich auf den Weg. Blauer Himmel und Sonnenschein, jedoch noch ein wenig frisch. In Montefiorale habe ich dann doch noch mein Jäckchen untergezogen:

Nun ging es weiter über Höhenstraßen und Täler vorbei an der Abtei San Michele Archangelo:

Immer wieder fahre ich auf meiner Tour durch Aleen aus unterschiedlichen Bäumen:

Die Landschaft ist malerisch, ich sauge sie beim Fahren direkt auf. Mein Weg führte mich durch Ceraldo, eine mittelalterliche Festungsstadt:

Nach 70km erreichte ich San Gimignano und parkte die Vespa. Tatsächlich schaffte ich es, mich auf einen Espresso und ein Cornetto und ein Toiletto😉 in die Sonne zu setzen:



San Gimignano ist unter anderem für seine begehbare Stadtmauer bekannt, die ich mir nicht entgehen lassen wollte:




Nach dieser erholsamen Pause, fuhr ich nach Siena. Nach der herrlichen Landschaft freute ich mich auf die mittelalterliche Stadt. Diese musste ich mir mit der Parkplatzsuche hart verdienen. Zuerst freute ich mich, einen tollen Motorradparkplatz gefunden zu haben bis ich feststellte, dass er für motorisierte Drei- und Vierräder reserviert war. Also wieder weg. Die Autoparkplätze konnte ich nicht nutzen, da sind die Italiener empfindlich. Nach 20 Minuten entschloss ich mich, auf dem Gelände der psychatrischen Klink zu parken. Die haben eigens Motorradparkplätze, jedoch nicht für Touristen. Egal.
Oder auch nicht egal, denn wer Manfred kennt, weiß, dass er Siena nur mit schlechtem Gewissen, möglichst schnell durchlaufen hat. Das geplante gemütliche Mittagessen, habe ich kurzerhand gestrichen.
Dazu beigetragen hat auch die Tatsache dass viele Touristen in Siena waren und Josef im Sommerurlaub auch noch mal dort hin fahren will. Also, nur den berühmten Hauptplatz angeschaut, auf dem einmal im Jahr ein mörderisches Pferderennen stattfindet, und den Dom. Dom nur von außen, weil ich keine Lust hatte, mich anzustellen:





Nun machte ich mich auf den Weg in meine Ferienwohung, knapp 90km. Ich spürte wie der Fahrtwind immer wieder ganz warm in mein Gesicht bließ und bemerkte, dass ich an den Hügeln vorbei fuhr, an denen die Weinreben des Chianti angebaut wurden.



Ein stolzes Weingut neben dem andern. Diese Hänge gehören zu diesem Weingut: https://albola.it/
Die letzten Kilometer ging mir langsam die Kraft aus. Ich merke mir, dass es gut sein wird, künftig an der Touristenbars mitten im Nichts anzuhalten und sich zu stärken. Viele haben ohnedies noch nicht geöffnet.
Bin noch zu Coop, um einzukaufen. Der ist so groß, dass ich mich fast verlaufen hätte. Zu viel Warenangebot. Um 17.00 Uhr, kleine Brotzeit, später gehe ich noch Essen.
Mein Abendessen nahm ich 15 Minuten zu Fuß von der Ferienwohnung ein im Ristro de’Bischeri. Ich hatte reserviert, war aber der einzige Gast. Junge Eigentümer, sehr freundlich. Der Kellner hat mich gefragt, ob ich typisch toskanisch essen möchte. Das kam dabei raus:


Vorspeise, so was wie Bruschetta auf Toskanisch: Mini-Brötchen mit Lampredotto und seinen Saucen, Brotcannolo gefüllt mit
Florentiner Kutteln, Schiacciata mit Zungen- und Marksauce. Lampredotto ist ein typisches Gericht der Armen von Florenz und stammt aus dem vierten Magen des Rinds = Kutteln.
Primo: caramelle con ossobuco. Also Ravioli gefüllt mit dem Fleisch vom Ossobuco.
Alles hätte ein wenig Salz gebraucht, sonst aber fein. Mal was anderes.
Mittwoch, 8. April 2026:
Wieder bestens geschlafen, ging es in den neuen Tag. Habe gleich nach dem Aufstehen ewig rumgetan, welche Route ich heute nehmen würde. Sie sollte kürzer sein als gestern, mehr schöne Fahrstrecken als Städte beinhalten.
Dann habe ich wieder Hl. Messe gefeiert und im Garten gebetet:

Los ging es um 8.30 Uhr nach Pistoia. Auch ein mittelaterlicher Stadtkern, heute eher eine Industriestadt nördlich von Florenz. Ich schraubte die Vespa die Berge hoch, so dass ich einen schönen Blick über das Arnotal bekam, in dem Florenz liegt.


Ich fuhr die Strada delle cheramiche entlang, an der es Töpferwaren gibt. Dann wieder eine Weinstraße und kurz vor Pistoia folgte eine Baumschule der anderen.

In Pistoia angekommen, folgte wieder die lästige Parkplatzsuche. Ständig begleitet einen die Sorge, aus versehen in eine ZTL reinzufahren, was ein hohes Strafgeld nach sich zieht. Auf öffentliche Parkplätze darf ich auch nicht, die sind für Autos mit Parkschein. Ich hab eine Politesse beobachtet, die fleißig Strafzettel verteilte. Schließlich fuht ich auf einen Parkplatz und fragte eine Frau, wo ich denn straffrei meine Vespa abstellen könne.
Sie war richig hilfsbereit, wollte mir zuerst den Platz neben ihrem Auto empfehlen, zeigte mir dann aber ein großartiges Schattenplätzchen. Die Politesse beachtete mein Gefährt gar nicht. Sie stellte lieber einem Mann einen Strafzettel aus, der auf der Rückbank seines Autos ein Nickerchen gehalten hat. Der hat sich vielleicht gefreut🤧
Ich bin erleichtert ins Stadtzentrum gewandert, 10 Minuten etwa. Leider war Markttag, so dass der Platz mit Buden zugestellt war. Der gleiche Ramsch wie überall. Ich wunderte mich, dass die Bewohner dort überhaupt hingehen. Eine Oma von 1,40m Größe interessierte sich neugierig für ein Kleid, für das ihr 40cm Körpergröße fehlten. Auch in ihrem Alter hat man noch Träume…oder es war für die Schwiegertochter?
Nach Cafe und Klo in der Bar al Duomo, besichtigte ich denselben und den gegenüberliegenden Turm. Im Dom betete ich einen Rosenkranz. Schön, die romanische Grundform des Doms zu sehen.




Ich hatte mir fest vorgenommen, diesesmal am Mittag Essen zu gehen und suchte mir ein witziges Ristorante aus: Locanda del Capitano. Der erste Eindruck war schon sympathisch: Nonno und Nonna der Familie nahmen noch das Mittagessen ein, die Köche und Kellnerinnen hatten schon gegessen. Außerdem stand am Eingang: No Sushi, solo cucina tradizionale. Wer also tradizionelle Küche mag, ist herzlich willkommen, alle anderen sollten weitergehen. Apropos no Sushi, hier in der Toskana habe ich noch keine Asiaten gesehen😉


Natürlich habe ich traditionell bestellt. Zuvor gab es eine Scheibe Prosciutto crudo und eine eingelegte Artischocke als Gruß aus der Küche:

Dann folgten Picci mit Kaninchenragou:

Den Abschluss bildete Ossobuco mit viel Gemüse:

Das Essen war wirklich großartig und riesige Portionen. Nur sind die Preise auch in Italien ziemlich gestiegen: gestern Abend 40 Euro, heute 50. Das ist mir zu viel.
Ach ja, zum Wein muss ich etwas peinliches erzählen: aus Freude bestellte ich ein Glas Rotwein. Der schmeckte traumhaft. Jedoch kam mir beim ersten Schluck, dass ich ja noch mit der Vespa fahren muss. Also habe noch nicht mal 0,1 davon getrunken. Hab mich so geschämt vor der Kellnerin, hatte aber nicht die Gelegenheit es zu erklären. Zur Strafe ist mir der kleine Tropfen so zu Kopf gestiegen, dass ich mich überwinden musste, die Vespa zu besteigen. Der Fahrtwind hat die Schwere wieder weggeblasen. O mei, sag ich da nur. Danke Schutzengel!🚴♂️
Auf dem Rückweg habe ich beschlossen, dass ich die nächsten Tage selber koche, nur einmal werde ich mit den Kolleginnen noch Essen gehen. Irgendwie macht es alleine keinen Spaß. Gut, dass ich die Ferienwohnung habe.
Als ich zurück war, habe ich geruht und eingekauft. Jetzt gibt es nur noch Abendessen und ein Glas Wein, dann lasse ich dankbar den schönen Urlaubstag ausklingen.
Übrigens: hier zahle ich für den Liter Benzin zwischen 1,75 und 1,83 €. Verrückt.


Donnerstag, 9. April 2026:
Da ich eine Tour in die Berge östlich von Florenz geplant hatte, konnte ich mir am Morgen Zeit lassen, sonst wäre ich da oben erfroren.
Wie gut, dann kann ich ja Schwimmen gehen. Das Hallenbad liegt genau gegenüber im Campo sportivo und öffnet schon um 7.00 Uhr. Also machte ich mich mit dem Handtuch unterm Arm auf den Weg. Juhu, es hat wirklich offen. Das wars dann auch mit dem Jubel. Fast hatte ich es erwartet. Wie in Rom, muss man auch hier einem Club beitreten und kann dann per Chip in die Schwimmhalle. Kein Club, kein Chip, nix Schwimmen. Die obligatorische Badehaube hätte ich dabei gehabt, es wären aber auch Badeschlappen verpflichtend gewesen. Also wieder in die Ferienwohnung zurück, Brevier gebetet, ein wenig die Sonntagspredigt angedacht. Süddeutsche gelesen.
Um etwa 9.30 Uhr auf die Vespa. Merkt euch Bagno di Ripoli. Da ist mal plötzlich der ganze Ort ZTL und daher für mich gesperrt. Gemerkt habe ich es im Kreisverkehr am Ortseingang, der aber ab der Hälfte gesperrt war, so dass ich nicht mehr raus kam. Bin zwar so schnell wie möglich aus der ZTL raus, aber vermutlich werde ich Strafe zahlen müssen😪
Es ging dann eine Weile eine schreckliche Schnellstraße am Fluß Arno entlang und dann endlich auf die Passstraße. Oh wie schön der Weg war, Bergdörfer säumten den Weg nach oben:

Um kurz vor 11 war ich auf dem Passo della Consuma auf 1050m. Es war so schön da oben:




Ich habe auf einer überdimensionalen Bank Brotzeit gemacht, die frische Luft geatmet und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Ein Traumort. Übrigens fiel mir hier auch auf, dass ich seit meiner Abreise zu Hause keine Atembeschwerden mehr hatte.



In der kleinen Jausenstation nahm ich einen Cafe macchiato ein, suchte die Toilette auf, und weiter ging es. Über sonnige Höhenwege und schattige Täler. Immer wieder war eine Straße gesperrt, so dass sich die App neue Wege einfallen lassen musste. Diese waren meistens noch schöner als die votangegangenen. Schroffe Felsen, enge Straßen, Aleen. Mit dem Auto würde ich Todesängste austtehen. Mit der Vespa macht es nur Spaß. Vor allem das Kurvenfahren habe ich für mich entdeckt. Es sind so gut wie keine Autos unterwegs. Manche Dörfer wiren wie verlassen.
Eine gesperrte Straße war der Anlass, dass ich an einen besonderen Ort geführt wurde, die Abbazia di Vallombrosa aus dem 11. Jahrhundert. Sie ist immer noch von Mönchen bewohnt:




Sie liegt so abgelegen, dass hier niemand vorbei kommt, wenn er es nicht geplant hat. Es ging anschließend wieder viele Höhenwege und Bergdörfer entlang Richtung Arnotal und Florenz.
Einkaufen, Mittagspause, Dusche. Dann machte ich mich auf den Weg mit der Vespa zum Piazza Santo Spirito in Florenz, um mich mit Steffi, Verena, Andrea und Lena zum Abendessen zu treffen.
Es war ein lustiger und geselliger Abend über die Sterberate der Schauspieler von Harry Potter, Schulhunde, sonderbare Kollegen etc. Einfach herrlich!

Ich wurde sogar noch zur Vespa begleitet und verabschiedet. Die Rückfahrt dauerte grade mal 20 Minuten. Jetzt bin ich müde, aber erfüllt vom schönen Tag.


Freitag, 10. April 2026:
Bin ich doch glatt später ins Bett gekommen als üblich, was bedeutet, dass ich eine Stunde länger geschlafen habe. Nach der Hl. Messe habe ich meine Vermieterin getroffen, um die Touristensteuer zu entrichten und die Modalitäten meiner Abreise morgen zu klären. Leider ist es schon wieder so weit, heute letzter Urlaubstag.
Das bedeutete auch, Vespa abgeben. Also um kurz vor 9 aufgebrochen, italienisch abenteuerlich getankt und ins Zentrum gerollert. Gefühlt ist in Italien fast jede Tankstelle in einem Zustand, dass man meint, sie sei geschlossen. Natürlich musste ich wieder am Automaten zahlen. Bin ich mittlerweile gewohnt.
Die Fahrt ins Zentrum ging flott, weil ich mich einfach in die italienischen motorino -Fahrer rangehängt habe. Vor mir fuhr eine Frau wie der Teufel und hatte noch dazu eine Zigarette in der Hand. Ich kam so schon kaum mit, obwohl ich beide Hände am Lenker hatte🤣
Natürlich war ich wieder zu Früh beim Verleih. So konnte ich meine treue Vespa 125 Sprint in Ruhe verabschieden.

Dann überraschte mich die nächste typische italienische Szene: 15 Minuten vor Öffnungzeit tat sich die Türe auf, der Chef und sein Azubi kamen raus. Er quasselte unvermittelt los, sie wollen noch einen Cafe trinken bevor es losgeht, ob ich nicht mit ihnen kommen möchte. Also lud er mich auf einen Cafe ein. Dafür liebe ich die Italiener!🤗☕️
Natürlich habe ich die Vespa ohne Beanstandungen zurückgegeben und machte mich auf den Weg ins Zentrum, nicht ohne den Bahnhof zu erkunden, an dem ich morgen abfahren werde. Als ich ihn verließ, stand ich für der Kirche Santa Maria novicella. Dass ich die Rückseite sah und die Vorderansicht erst später vor mir hatte, kann man auf den Fotos erkennen:


Dann ging ich zum Dom. Die Menschen standen rings um den Dom herum Schlange, damit war mir klar, dass ich nicht reingehe:




Also zog ich weiter, um Michelangelos Davidstatue anzuschauen. Ich dachte, die steh einfach so rum. Aber auch dort nur Schlange. Keine Lust. Ehrlich, mich hat das Treiben in der Stadt einfach nur gestört. Inder, Asiaten, Amerikaner, Deutsche Senioren (müssen die in der Ferienwoche fahren, hätten ja genug Zeit). Nach meinen ruhigen Vespatouren, war das zu viel.😵💫
Also bin ich zur Unterkunft gegangen, die ich für Josef und mich im Sommer gebucht habe. Da kamen Zweifel, ob das richtig war. Ja, mitten in der Stadt, mit kleinem Garten. Aber wohin mit dem Auto und ist es im August nicht viel zu heiß…
Bin dann weiter zum Markt von Florenz. Da hätte es Stefan gefallen, ein Marktstand neben dem anderen wie in der Großmarkthalle in München: Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, etc.


Nun hatte ich Hunger. Irgendwo im Internet hatte ich von diesem typisch toskanischen Lokal gelesen:


Das war dann mein dritter italienischer Moment, wofür ich Italien liebe. Außer mir nur Einheimische, uwei junge Arbeiter und drei Männer in meinem Alter, die in der Mittagspause dem Büro entflohen sind. Freundlicher junger Kellner und einfache Speisen, wie sie in den Familien zubereitet werden. Das ganze nur 35€:


Ja, ich sitze auch gerne draußen, um Leute anzuschauen, aber diese originale italienische Szenerie war mir mehr wert.
Nach dem Essen war ich von der Großstadt erledigt und fuhr mit dem Bus in meine erholsame Ferienwohnung, die ich so sehr schätze.

Nach dem Mittagsschlaf, sitze ich im Garten und schreibe den Bericht. Freue mich auf einen chilligen letzten Abend. Danke für diesen Tag!

Samstag, 11. April 2026:
Um 5:23 Uhr hat mich der Schutzengel geweckt. Hab mich schön gemacht und die Hl. Messe gefeiert, besonders für Mami, die heute Geburtstag feiert. Schließlich wurde es Zeit zu packen. Leider kann man den Rücksack erst kurz vor Abreise packen, da die schweren Gegenstände unten rein müssen und der Kulturbeutel bei mir das schwerste ist. Zuerst habe ich versucht, den Helm mit in den Rücksack zu bringen, da er schon bei der Anreise ziemlich gelitten hat. Keine Chance, er muss jetzt auch wieder außen baumeln. Den Rest in der Ferienwohnung aufgeräumt und um 7:10 Uhr zum Bus aufgebrochen:

Ein wenig fühle ich mich an meine Studienzeit zurückerinnert als ich mit dem Rücksack durch Rom gependelt bin. Das Fahrgefühl im Bus war auf jeden Fall das gleiche. Und ich war stolz auf mich, dass ich mit fast 52 fast genau so reisen kann wie als Student (nur die Zugklasse ist mit mir gealtert ;-)). Zudem war ich froh, dass ich wieder mal sehr rechtzeitig aufgebrochen bin: der Bus hielt zwar am Bahnhof, aber der Fußweg vom Bus in die Bahnhofshalle war ziemlich verwirrend und dauerte doch 15 Minuten.
Dennoch kan ich nicht in Zeitnot und ging in eine Bar, um mir ein Cornetto con crema und eine Reginella zu gönnen (Focaccia mit Frischkäse und Mortadella). Cafe gab es keinen, sonst muss ich im Zug dauernd aufs Kloo, was als Alleinrerisender nicht so einfach ist, da man seinen Rucksack unbewacht zurücklassen muss.
Ich bekam eine EMail, dass mein Zug 20 Minuten Verspätung hat. Ich solle mich dann in Bolgna an einen Schalter weden, weil ich meinen Anschlusszug verpassen werde. Gut, dass ich dieses Mail erst im Zug gelesen habe, da es keine Verspätung gab. O mei.
Ankunft 30 Minuten später in Bologna Centrale. Da war ich zuvor noch nie. Der ist ja wie ein Flughafenterminal. Ich musste mich orientieren und ewig gehen, bis ich an das richtige Gleis kam. Der Zug stand schon da, ich hatte aber noch 10 Minuten bis zur Abfahrt. So konnte ich mich auf meinem Einzel-Fensterplatz in der ersten Klasse des ÖBB-Zugs gemütlich einrichten, habe genug Beinfreiheit und sitze direkt vor meinem Rucksack.

Leider muss ich nun feststellen, dass die Zeit bis jetzt wohl so anstrengend war, dass ich höllische Schmerzen habe. Willkommen zurück in der Wirklichkeit. Hoffentlich vergehen sie noch, ich wollte/ muss doch so viel arbeiten.
Mal sehen, ob ich später noch einmal weiterschreibe. Jedenfalls ist das Fazit, dass der Urlaub ein großartiges Geschenk war. Danke!
Tatsächlich muss ich noch etwas ergänzen, weil meine Schmerzen so einigermaßen erträglich geworden sind und ich etas arbeiten möchte. Dafür habe ich extra die erste Klasse gebucht. Vom Platz her passt das ja auch. ABER: zuerst waren fünf italienische Männer mit Bier im Abteil, die sich ununterbrochen, lautstark unterhalten haben. Man muss ihnen zugute halten, dass sie den, der am lautesten geschrien hat, immer wieder ermahnt haben, ruhiger zu sein, aber wenn alle schreien, hilft das auch nichts. Als sie in Bozen ausstiegen, legte sich ein Hauch von Stille übers Abteil.
Zunächst war ich zufrieden, bis dann eine Familie einstieg. Ganz abgesehen davon, dass hier viele Familien sitzen, was ich nicht verstehen kann. Da haben viele Menschen zu viel Geld. Aber noch besser sind diejenigen, die zwei kleine Kinder haben, die gerade mal so reden können, die Eltern zwar die Fahrkarten der ersten Klasse gekauft haben, aber keine Reservierung gemacht haben. Zunächst irrten sie durchs Abteil auf der SUche nach einem Sitzplatz. Der Vater: „Da muss doch einer sein, wenn wir schon die Fahrkarte haben…“. Nein – eben nicht. Wie könnt ihr das euren Kindern und uns Mitreisenden antun? Denn jetzt sitzt die Mutter mit dem laut kreischenden Kleinkind hinter mir beim Gepäck und stört wieder alle Mitreisenden.
Bitte nicht falsch verstehen: ich sag nichts und ertrage es, weil ich ja ein Herz für Kinder habe. Aber für solche Eltern fehlt mir das Verständnis. Und arbeiten kann ich so auch nicht wirklich. Ich finde, auch junge Eltern könnten sich an die Regeln des Zusammenlebens halten und wenigstens eine Sitzplatzreservierung vornehmen, damit die Kinder zur Ruhe kommen können. Noch 2 Stunden bis München…
Innsbruck: Schlimmer geht immer… In einem 2. Klasse Wagen fiel ein Freuerlöscher aus der Halterung und zerstörte ein Glasscheibe, einen Raumteiler. Zuerst kam die Durchsage, dass ein Techniker zur Begutachtung und ein Reinigungsteam kommen müssten. Abfahrt verzögert sich. Nächste Durchsage: besagter Wagon muss geräumt werden, die Fahrgäste mögen sich auf die anderen Wagen verteilen. Wohlgemerkt, in der App steht: der Zug ist außergewöhnlich hoch ausgelastet.
Nun ist Arbeit unmöglich, weil die Fahgäste überall rumsitzen/ stehen. Immerhin habe ich einen Sitzplatz.
Zwei heitere Szenen: ein Vater informierte seine pubertierenden Kinder, er werde eine Station in München weiterfahren, um der alleinerziehenden Frau mit den drei Kindern wieder zu helfen, die habe so viel Gepäck. Das sind tolle Menschen. Die Jugendlichen können von ihm lernen!
Selbige Jugendliche unzerhalten sich. Mädchen: „Ihhh, ist der Boden, wo wir sitzen dreckig.“ Bub: „Macht nix, ich habe die Hose eh schon drei Wochen an, die zwei Wochen Urlaub und schon eine davor.“ Sie: „Iiiiihhhhh.“ Ja so sind sie…

