Samstag, 29. August:
Am Morgen habe ich mir Zeit gelassen auf dem Campingressort Marina di Venezia, auf dem ich die letzten 10 Tage verbracht habe. Es war wieder eine großartige Zeit, in der ich meine Freiheit genossen habe: Beten, Lesen, Strandspaziergänge, Schwimmen, im Meer herumstehen und -trotz Zwangsdiät gut italienisch Essen. Zum Abschluss gönnte ich mir dort ein kleines Frühstück. Glaubt mir, es schmeckt in der Vorstellung besser als in der Wirklichkeit. Das habe ich aus der Diät gelernt…

Dann machte ich mich gemütlich auf den Weg nach Vittorio Veneto. Schon während ich auf die Berge zufuhr wusste ich, dass es richtig war, die letzten Urlaubstage hier zu buchen. Irgendwie ist es hier wie in Südtirol nur viel italienischer. Und das gefällt mir.
Natürlich war ich, sonst wäre ich kein Maurer, zu früh dran, weshalb ich zuerst das Auto für die Rückreise am Donnerstag vollgetankt habe und anschließend ein riesiges Einkaufszentrum aufgesucht habe. Das war wohl der Simmel von hier, weil es so viel Auswahl gab, dass ich beinahe nichts gefunden hätte.
Um Punkt 12:00 Uhr habe ich die Ferienwohnung bezogen. Gabriella heißt die Vermieterin, die gestern schon über Whatsapp mit mir geschrieben hat.
Was soll ich sagen, fie Wohnung ist top. Mein Auto hat sogar eine Garage bekommen. Die Wohnung erstreckt sich über zwei Ebenen. In der ersten sieht es so aus:








Dann geht es die Treppen hoch in den Schlafbereich mit dem zweiten Balkon:




Nachdem ich ausgepackt hatte, keine Ahnung, warum ich dieses Jahr so unendlich viel mitgenommen habe, machte ich einen Mittagsschlaf. Und dann… war da die Waschmaschine. Sie hat mich magisch angelockt mit der Verheißung, nach Hause zu kommen und einfach die gewaschene Wäsche in die Schränke zu räumen (habe ich letztes Jahr auch schon gemacht). Also:

Während die Minimaschine, etwa ein Drittel vom Fassungsvetmögen zu Hause, frählich dahin wäscht, habe ich entdeckt, dass die Kaffeemsschine hier baugleich mit meiner zu Hause ist. Das musste ich feiern:


Zum Abendessen gab es Karottensalat und eine Zucchini-Hackfleisch-Feta-Pfanne. Davon kann ich nochmal essen:

Ich stelle mir gerade vor, wie Familie Maurer an diesem Tisch zu Viert eine Mahlzeit einnimmt. Er ist mir allein schon zu klein 🤣
Nach Wäscheaufhängen, Abwasch und Abendgebet, wollte ich noch ein wenig die Gegend erkundigen. Der Bär steppt im Viertel Serravalle nicht gerade, dafür hängen zahlreiche zwielichtige Pakistani in der Gegend herum. Jetzt verstehe ich die Sicherheitstüre an der Ferienwohnung.
Der Fluß Meschio fließt durch Vittorio Veneto und taucht immer wieder auf:






In Seravalle gibt es ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert, das heute noch existiert, und eine alte Burg:


Traurig ist die Tatsache, dass die Deutschen Truppen im August 1944 hier eine größere Anzahl Häuser angezündet haben. Würde mich nicht wundern, wenn mich die ältere Generation schief anschaut.
Komisch ist das schon: auf dem Marina waren es am Abend manchmal zu viele Menschen, die lautstark an mir vorbeigezogen sind. Hier ist es mir aber zu still. Gut, dass ich Lesen kann.
Sonntag, 30. August:
Dank der super Matratze habe ich ausgezeichnet geschlafen. Ein bisschen frisch war es noch als ich um 6.00 Uhr den ersten Espresso genossen habe. Unter 20 Grad ist mir halt einfach zu kalt.
Auf der Schlafzimmerkommode hat mein Altar seinen Platz gefunden, so dass ich die Hl. Messe feiern konnte. Nach fast 4 Wochen mit dem Reisealtar, beginne ich meine Schulkirche zu vermissen. Anschließend Brevier gebetet und meinen Proteinshake getrunken.
Nachdem ich dann noch die Wäsche abgehangen und in den Koffer verstsut hatte 🤗, suchte ich alles fürs Vespafahren zusammen.
Punkt 9.00 Uhr stand ich vor dem Vespa-Rent Dolomiti. Heute hatten viele Touristen vor, eine Vespa auszuleihen, hinter mir bildete sich eine Schlange.
Etwas weniger schlitzohrig wie Adolfo in Rom ist Paolo, der mich freundlich begrüßt und mir vertrauensvoll ein ganz neues Modell einer Sprint übergeben hat. Gebucht hatte ich eine Primavera, aber das ist überall so: Sie buchen, wir machen, was wir wollen😉
Ganz neu war sie auch nicht, es leuchtete noch das Servicezeivhen für den 10000 auf. Aber gut, die 12000 gefahrenen Kilometer lassen wir mal ganz italienisch als neu durchgehen. Hauptsache sie fährt. Immerhin wurde ich unterwegs von einem waschechten Motorradfahrer aufgehalten, der samt Socia die neue Vespa bewundert hat. Na also.
Ich hatte mich darüber gefreut, dass die Vermietung Heftchen angeboten hat, anhand derer man 4 traumhafte Touren machen könne. Da habe ich auch wieder mal zu deutsch gedacht. Immerhin, von der Tour durch die Hügel des Proseccoanbaugebietes gab es das Heftchen noch. Nicht mehr aktuell, aber immerhin.
Für die anderen drei Touren musste es ein Google-Maps-Ausdruck tun und ein rangetackerter Zettel, was ich ins Navi einprogrammieren soll. Keine Geheimtipps, keine Aussichtspunkte, keine Sehenswürdigkeiten. Gut, dass meine Motorradapp das alles selbst weiß.
Also habe ich programmiert, weil selbst das Heftchen umständlich und veraltet war:

Um 10.00 Uhr hatte ich alles programmiert und die Vespa ausfahrtfertig gemacht. Juhu, los gehts. Nach 500m gleich mal eine Umleitung, dann aber ging es endlich raus aus der Stadt und hinauf in die Berge.
Da wird mir gleich der Kopf frei und wunderschöne Landschaftsbilder tun sich auf, die sich beruhigend in die Seele einpägen. Da es eng und kurvig ist, sind alle, abgesehen von den Fahrradfahrern (sie werden gerade zu den neuen Asiaten für mich), langam und rücksichtsvoll unterwegs. Die Radler, tätoviert, über 50, hautenge Trikots, kommen einem gerne mal auf der falschen Straßenseite entgegen, vor allem, wenn man in der Kurve nichts sieht.
So fuhr ich also überwiegend die strada del Prosecco entlang durch riesige Weinanbaugebiete.
Die Strada del Prosecco (offiziell Strada del Prosecco e Vini dei Colli Conegliano Valdobbiadene) ist die älteste Weinstraße Italiens, eröffnet im Jahr 1966. Die Route erstreckt sich über etwa 40 bis 50 Kilometer zwischen den Städten Conegliano und Valdobbiadene in Venetien.




Die Prosecco-Hügel (Colline del Prosecco) gehören seit 2019 zum UNESCO-Welterbe. Wegen der extrem steilen Hänge (oft über 30 % Steigung) ist der Einsatz von Maschinen unmöglich. Die Pflege der Reben verlangt reine Handarbeit, weshalb man hier vom „heroischen Weinbau“ (viticoltura eroica) spricht.
Die Landschaft zeichnet sich durch eine wellenförmige Mikrolandschaft aus. Winzer haben über Jahrhunderte hinweg steile Terrassen angelegt, durchsetzt von kleinen Wäldern, Höfen und mittelalterlichen Dörfern.
Den ersten Halt machte ich an der Molinetto della Croda: Eine romantische Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert in Refrontolo, die direkt in den Felsen gebaut wurde.







Ohne Halt an den zahllosen Prosecco-Höfen mit Probier- und Einkaufsmöglichkeiten fuhr ich mach Valdobbiadene. Dort hatte ich mein Navi falsch programmiert, so dass ich nicht zum Espresso ins historische Zentrum geleitet wurde. Anstatt Espresso habe ich eine Gruppe junger Männer in einer Bar amüsiert. Bei jeder Vespa liegt der Blinkerschalter etwas anders. Bei meiner Vespa zu Hause liegt er genau dort, wo bei der Sprint die Hupe liegt. Ich musste derart abrupt abbiegen, dass ich die Hupe erwischt habe. Panik und Scham waren wir wohl anzusehen, weshslb mir die ganze Bar feixend zugewunken hat. Ich habe grinsend zurückgegtüßt.
Einen kurzen Mittagsstop habe ich in dem Weinort Santo Stefano gemacht:






Dann ging es zum letzten Halt: der Abbazia di Follina: Eine Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert:





Es war mittlerweile an die 30 Grad heiß geworden, so dass ich zur Ferienwohnung zurückfuhr. Um 14.00 Uhr kam ich an.
Es folgten Dusche, ein ausführlicher Mittagsschlaf und ein Espresso zum Aufwachen. Der Balkon ist herrlich, ab 15.00 Uhr breitet sich der Schatten aus. Während ich schreibe, knattern unbeschreiblich viele Motorräder hier vorbei, die sicher weitere Strecken als ich zurücklegen. Ich bin aber zufrieden.
Zum nachmittäglichen Abendessen gab es Antipastisalat aus gegrillten Zucchini und das, was es gestern gab, nur angereichert durch etwas Pasta. Diese stammt vom Marina di Venezia und hat die Form des Markuslöwen, der ja Symbol von Venedig ist. Man bekommt diese Pasta und eine fertige Tomatensugo als Gastgeschenk. Zum Abschied gab es in diesem Jahr Prosecco😉


Ein schöner Tag geht zu Ende, den ich ruhig ausklingen lasse.
Montag, 31. August:
Wie die Zeit vergeht! In einer Woche schon ist mein erster Arbeitstag in der Schule. Das bedeutet, die letzten Tage noch genießen.
Ich wollte mir Zeit lassen und erst um 10.00 Uhr losrollern. Um kurz vor 9.00 Uhr saß ich abfahrbereit auf der Vespa🤣. Davor seit 6.00 Uhr gebetet, Morgentoilette, den Rucksack gepackt, etc.
Sobald ich auf der Straße war, fühlte ich mich wieder beschenkt. Ich fuhr zuerst den Passo San Boldo. Enge Schlucht, hohe Berge. Die KI beschreibt das ganz korrekt so:
„Die Kehren durch den Fels schrauben sich kühn nach oben: Die Fahrt über die Strada dei Cento Giorni auf den Passo San Boldo gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die man auf zwei Rädern im Veneto haben kann. Auf der historischen Passstraße, die 1918 in nur 100 Tagen durch den Berg getrieben wurde, bietet jede der Kehren in den engen Tunnelabschnitten unvergleichlichen Fahrspaß und spektakuläre Tiefblicke.“
So ist es. Traurig nur, dass die Straße wegen des ersten Weltkriegs gebaut worden ist. Hier ein paar Bilder aus dem Internet, weil ich lieber konzentriert gefahren bin als zu fotografieren.



Nach den ersten Kehren gab es eine Parkbucht, da konnte ich gut halten:


Oben auf dem Pass angekommen, öffnete sich das Alpenpanorama:




Gut, da bin oft ich drauf und weniger das Alpenpanorama😉





Die Leute hielten mich sicher für verrückt, weil ich so häufig für ein Foto angehalten habe, aber hier kennt mich ja niemand. Leider sind die Fotos auch nicht annähernd so eindrucksvoll wie die Originalsicht. Ich jedenfalls wollte mir Zeit lassen und genießen. Eindrücke für die Seele sammeln, von denen ich zehren kann.
Natürlich hat sich Manfred eingebildet, in irgend einer Bar einen Espresso einzunehmen. Ich hätte zwei Tatsachen wissen müssen: erstens haben die Leute in den Bergdörfen nicht die Kaffeekultur wie die Städte in Italien. Niemand wird am Morgen den Stall verlassen, um schnell einen Cafe zu trinken. Zweitens: die drei Biker-Cafe’s haben die Hochsaison schon oder vorübergehend abgeschlossen.
Also fuhr ich weiter auf breiten Bergstraßen mit riesigen Weideflächen. Unter noch Bergwald, der langsam in Felsen übergeht.
Bis ich dann ein Hinweisschild zu einem Santuario sah, das mich magisch angezogen hat.
Das Santuario di Maria Immacolata Nostra Signora di Lourdes im Nevegal ist ein besonderer Ort der Stille. Die Wallfahrtsstätte liegt auf knapp 1.000 Metern Höhe auf dem Hochplateau des Nevegal bei Belluno. Von dort bietet sich ein weiter Panoramablick über die Belluneser Voralpen und die Dolomiten.
Im Gegensatz zu vielen historischen Wallfahrtskirchen basiert das Heiligtum nicht auf Erscheinungen oder Wundern, sondern entstand erst in den 1990er-Jahren (geweiht 1995) als spirituelles Zentrum für Touristen, Einheimische und Pilger.
Das Bauwerk zeichnet sich durch sein weit geschwungenes Dach aus, das symbolisch wie ein schützender Mantelschlag Marias über der Gemeinde liegt.
Vor dem Heiligtum befinden sich eine Nachbildung der Grotte von Lourdes, kunstvolle Mosaikkapellen zum Rosenkranz (gefertigt von der renommierten Mosaikschule in Spilimbergo) sowie eine hölzerne Figur der Madonna von Lourdes, die von Papst Johannes Paul II. gesegnet wurde.





Besonders die fünf Rosenkranzkapellen haben mich beeindruckt. In jeder Kapelle ist ein Rosenkranzgeheimnis abgebildet. Die drei klassischen Geheimnisse sind älter, die Mosaike der lichtreichen Geheimnisse kamen später hinzu. Man geht also beim Rosenkranzgebet von Kapelle zu Kapelle, was ich natürlich gleich getan habe:





Es war ergreifend und erfüllend zugleich, ich fuhr beseelt weiter. Kurz habe ich noch die zahlreichen Hotels gesehen, weil Nevigal ein bekannter Wintersportort ist. Es liegt ja nicht unweit von Cortina d‘ Ampezzo, wo schon zweimal, 1956 und 2026, die olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.
Von diesem wunderbaren Hochplateau ging es Richtung Belluno ins Tal. Mein Motorradnavi führte mich von der gut ausgebauten Schnellstraße weg durch irgendwelche Hinterhöfe und Kleinstdörfer auf Stäßchen, die ich mit dem Auto niemals fahren würde. Sie waren steil und nur 2x Manfred-Breite. Es begegnete mir nicht ein Auto. Mit der Vespa wirklich traumhaft.

An einem geschlossenen Agriturismo sah ich dann das erste Mal den Lago Santa Croce.




Man sieht ihm den trockenen Sommer an. Dennoch ist er malerisch:


Da in diesem Tal ein See am anderen liegt, fuhr ich weiter zum Lago Morto. Dabei ging es immer unter der Autobahn entlang, die fast ausschließlich auf Stelzen gebaut ist. Unter der Autobahn liegen die Seen und es grasen Schafe, Ziegen und Rinder. Am südlichen Strand des Lago Morte machte ich Mittagspause.



Und, ich habe es gewagt, inmitten lauter knackig braun gebrannter Italiener als weißer, korpulenter Deutscher Schwimmen zu gehen. Das tat gut. Natürlich gibt es da keine Fotos…
Dann habe ich mir einen Espresso an der Strandbar gegönnt und gemütlich die SZ gelesen.


Schließlich ging es zurück in die Unterkunft, um mit der Siesta meinen Feierabend einzuläuten. Das ist halt Urlaub🤗.
Da ich keine Lust hatte zu kochen, gab es Tomatensalat mit Brotzeit. Der kleine Laden gegenüber hatte sogar eine kleine Vollkornsemmel, gerade so viel, wie ich an Kohlehydraten essen darf.

Nun habe ich wieder mal über eine Stunde am Bericht geschrieben und genieße noch den Abend.
Dienstag, 1. September:
Das war eine Nacht… Zuerst konnte ich nicht einschlafen und Mücken suchten mich heim. Um 1.00 Uhr fegte ein Sturm durchs Tal, so dass ich den Wäscheständer sichern musste. Dabei hätte ich mir fast den Kopf beim Treppenabgang angeschlagen, der „nur“ aus Gusseisen ist. In den Morgenstunden hatte ich gefühlt alle Albträume, die mich jemals geplagt haben, zusammen. Erst wachte ich um 5.00 Uhr auf und dann wieder völlig gerädert um 6.30 Uhr. Der Espresso brachte mir dann die nötige Erlösung.
Nach dem üblichen Morgenritual fuhr ich mit der Vespa Richtung Nord-Osten. Der Sturm hatte sich noch nicht gelegt und bließ mir kühl ins Gesicht. Am Lago Santa Croce, dessen Westufer ich gestern abgefahren bin, machte ich meinen ersten Stop, weil es wieder ein schönes Panorama gab:




Dann ging es weiter Richtung Tambre und St. Anna. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Die Dolomiten zeigten ihre mächtige Schönheit:




In St. Anna gibt es das Casa dei Libri, das Buchhaus. Eine Lesebrille ziert das Zufahrtstor, der Zaun besteht aus lauter großen Stiften und das Haus selbst aus hölzernen Büchern. Eine witzige Idee für Lesebegeisterte:



Auch wenn mich Wolken begleiteten, ging es weiter in der Cansigliowald. Der Cansiglio-Wald (italienisch: Bosco del Cansiglio) ist eines der bedeutendsten und bekanntesten Waldgebiete Norditaliens. Er liegt auf einer Hochebene der Voralpen in den Regionen Venetien (Provinzen Treviso und Belluno) und Friaul-Julisch Venetien (Provinz Pordenone).
Zur Zeit der Republik Venedig wurde der Cansiglio als Bosco da Reme (Wald für Ruder) geschützt. Das Holz der Buchen eignete sich hervorragend für die Ruder der venezianischen Galleeren. Venedig verwaltete das Areal unter strengem Forstschutz. Auch heute ist es ein bedeutendes Waldgebiet.


Auf diesem Video sieht man mich durch den Wald fahren: https://manmau.quickconnect.to/mo/sharing/bNvSYUFVm
Etwas spontan bin ich von der geplanten Route abgewichen und den Monte Pizzoc hochgefahren. Ich hatte die Auffahrt zunächst verworfen, weil ich meinte, da muss ich raufwandern. Dann ging aber doch eine Straße hoch. Und ich wurde so großartig beschenkt. Wie immer geben die Fotos die Realität nur schwach wieder.















Auf die schon geschlossene Berghütte und in die Dolomiten…
Ich konnte gar nicht aufhören:






Dann musste ich doch mal wieder runter, obwohl es da oben traumhaft still war. So gut wie keine Touristen. Überhaupt ist hier so wenig los, ich bin die meiste Zeit alleine auf den Straßen unterwegs. In Oberbayern kaum vorstellbar.
Nächster Halt: die Grotte di Caglieron, wo ich erst einmal einen Cafe genoss; die schönen Sitzplätze hatten mir Amis weggenommen:

Der Wildbach Caglieron hat über Jahrtausende eine tief verschlungene Schlucht mit natürlichen Höhlen und Wasserfällen in den Fels gegraben. Ab dem 16. Jahrhundert begannen die Einheimischen zudem, dort manuell Sandstein (Pietra dolza) abzubauen.
Architektonische Besonderheit: Um den Einsturz der Hohlräume beim Steinabbau zu verhindern, ließen die Arbeiter massive, schräge Fendern und Säulen aus Stein stehen. Dadurch entstanden charakteristische, hallenartige künstliche Höhlen.
Ein angelegter Rundweg führt über hölzerne Stege und Brücken direkt an der Felswand entlang, durch Höhlen hindurch und über rauschende Wasserfälle.
In den Höhlen herrscht das ganze Jahr über eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und eine konstante Temperatur. Eine der Höhlen wird sogar zur Reifung des bekannten lokalen Käses Pavese verwendet. In den Wintermonaten bilden sich an den Wänden oft riesige Eiszapfen.
Trotz Motorradstiefel habe ich mich auf den ca. 1km langen Weg gemacht. Wie gut, dass ich die neuen Sporteinlagen in die Stiefel gemacht habe. Die schwere Motorradjacke stopfte ich etwas unbeholfen in den Rucksack. Hier einige Eindrücke:




















Nun ging es wieder in die Ferienwohnung zurück, wo ich allen Ballast abwarf, um an den Lago Morte zum Schwimmen, zum Cafe und SZ-Lesen zu fahren.

Schließlich noch eingekauft. Hab mich gewundert, warum Italiener Tomaten und Paprikaschoten aus Holland beziehen😤
Dann habe ich ein Letscho zubereitet, um wieder mal satt zu werden:

Nun werde ich voll von schönen Eindrücken und Erfahrungen den Tag ausklingen lassen und auf den abendlichen Kirchturm blicken.

Mittwoch, 2. September:
Letzter Urlaubstag. Nein, ich bin nicht traurig, weil die letzten knapp vier Wochen einfach so waren, wie ich mir den Sommerurlaub vorstelle: immer warm und Sonnenschein, bella Italia und die wohl dosierte Abwechslung von Kunst, Kulur und erholsamen Phasen. Sowohl die Zeiten, in denen ich liebe Menschen um mich hatte als auch die letzte Woche alleine waren gut, wobei geteilte Freude doch schönere Freude ist.
Die Vespatour heute führte mich in den Süden der Region und endete nocheinmal in den Weinbaugebieten des Prosecco.
Motto waren die Burgen des Veneto. Warum gibt es dort so viele Burgen?
Vittorio Veneto liegt direkt am Ausgang der Stretta di Serravalle, einem engen Talpass, der die Alpen und das Belluneser Becken mit der venetischen Tiefebene verbindet.
Wer aus dem Norden (über die Alpen oder das Pustertal/Eisacktal) nach Norditalien vordringen wollte, musste diese Engstelle passieren. Die Hügelkette direkt südlich davon war die erste natürliche Verteidigungslinie zur Absicherung der fruchtbaren Ebene von Treviso und Venedig.
Durch diese Schneise verliefen seit der Antike wichtige Handels- und Militärstraßen (wie die römische Via Claudia Augusta Altinate). Wer die Hügel besaß, kontrollierte den Warenverkehr, den Zoll und die Zufuhr von Holz, Mineralien und Vieh aus den Bergen.
Vom Frühmittelalter bis zum 14. Jahrhundert war die Region politisch extrem zersplittert:
Ceneda (heute Südteil von Vittorio Veneto) war Sitz eines mächtigen langobardischen Herzogtums und später eines kaiserlich dominierten Fürstbistums (mit dem Castello di San Martino). In der Nachbarschaft konkurrierten mächtige Adelsfamilien wie die Da Camino, die Collalto (z. B. Castello di San Salvatore in Susegana, Castello di Collalto) und die Herren von Conegliano um Land und Einfluss. Jedes lokale Herrschaftszentrum errichtete Befestigungen, um sein Territorium abzusichern, Signalketten über die Hügelkuppen aufzubauen und die Untertanen vor Überfällen benachbarter Rivalen oder raubender Banden zu schützen.
Drei dieser Burgen durfte ich von außen erkunden. Die erste bot gerade keine Führung an, die zweite ist in Privatbesitz und die dritte zerstört.
Also fuhr ich durch Vittorio Veneto hindurch Richtung Süden. Diese Stadt muss man nicht gesehen haben. Das Zentrum wirkt schmutzig und eng.
Erster Stopp auf der schönsten Burg: Castello di Conegliano. Sauber, gepflegt. Burg mit Kirche.





Man sieht, dass die Lanschaft ganz anders ist als die letzten beiden Tage:


Es war viel heißer als in den Bergregionen, was natürlich für den Weinbau günstig ist. Etwa alle 5-10km hätte man Wein probieren und kaufen können. Es gab zudem zahllose Ostierien, Gasthäuser mit regionalen Gerichten. Ich aber Diät🫣 Und Bars hatten wieder mal alle zu bzw. waren versteckt. Also musste ich weiterfahren.
Das Castello di San Salvatore war riesig groß, aber in Privatbesitz. Auf dem Werbevideo des Vespa-Verleihs sieht man wie ein junges Pärchen mit einer Piknickdecke auf einer Mauer sitzt und piknickt. Die Mauer gibt es, aber nach zwei Minuten tut einem alles weh. Außerdem hat man da gar keine Ruhe. Alles gestellt… Komisch, dass in den Videos nur lachende Menschen auf den Vespas zu sehen sind. Mir sind viele Vespas vom Verleih begegnet, aber alle Fahrer haben konzentriert geschaut. Nur für die Fotos haben wir kurz gelächelt😉 Die Welt will getäuscht werden, oder modern: alles Fake.
Ach so die Burg mit Lächeln:



Was mir am Vespa-Fahren so gefällt: man ist so nah an der Natur. Du spürst den Wind, die Hitze an den sonnigen Stellen und die Abkühlung, welche Walgebiete bringen. Zudem riechst Du die Umgebung. Markus würde jetzt sagen, dass das beim Radfahren genau so ist. Heidi und Bernhard würden hinzufügen, dass das beim Wandern nicht anders ist. Ja und beides ist viiiiel gesünder. Aber aus mir wird kein sportlicher Mensch mehr.
Schaut euch die Landschaft an, durch die ich gefahren bin:





…wieder kein Lächeln. Ich tauge nicht für die Social-Media-Welt. Aber glaubt mir, ich war in all den Momenten glücklich und zufrieden🌞
Scließlich noch die dritte Burg(ruine): Castello di Collalto.
Das Castello di Collalto in Susegana war im Mittelalter das ursprüngliche Machtzentrum der Grafen von Collalto und prägte die Herrschaft über das hügelige Vorland der Region. Seine Bedeutung beruht auf drei wesentlichen Aspekten:
- Historischer Stammsitz: Die Burg wurde im 12. Jahrhundert von der Familie Collalto, einem Adelsgeschlecht langobardischer Abstammung, als wehrhafte Festung gegründet. Sie war die erste große Machtbasis der Grafen, von der aus sie das Territorium kontrollierten, bevor sie im 13. Jahrhundert das noch mächtigere, benachbarte Castello di San Salvatore errichteten.
- Zeugnis des Ersten Weltkriegs: Das Castello wandelte sich im Laufe der Zeit von einer militärischen Anlage zu einer prestigevollen Residenz. Da die Region im Ersten Weltkrieg jedoch direkt an der heftig umkämpften Piave-Front lag, wurde die Burg durch Artilleriebeschuss fast vollständig zerstört. Heute steht sie als Mahnmal dieser Zeit; erhalten sind im Wesentlichen nur noch der hoch aufragende Hauptturm und Teile der Festungsmauern.
- Die Legende von Bianca di Collalto: In der regionalen Folklore und Kultur hat die Burgruine eine schaurig-romantische Bedeutung. Der Legende nach wurde die wunderschöne Magd Bianca aus unbegründeter Eifersucht von ihrer Herrin, Chiara da Camino, in den Mauern eines Burgturms lebendig eingemauert. Der Mythos besagt, dass ihr Geist bis heute an diesem Ort weilt. Ich hab mich schon gewundert, wer da die ganze Zeit rumgeistert👻👻👻
Jederfalls muss ich den Italienern eines lassen: man kann überall bequem in den Burghof fahren. In Deutschland müsste man von einem abgelegen Parkplatz aus hochwandern. Wer das gerne tut, die Parkplätze gibt es…






Durch unzählige Weinberge und Weingüter ging es zurück in die Ferienwohnung. Zu dieser muss ich auch noch etwas anmerken: ich habe noch nie eine derart gut ausgestattete und detailverliebt eingerichtete Ferienwohnung bewohnt. Man muss fast nichts mitbringen, es ist alles schon da. Danke Signora Gabriella.
See und Cafe und SZ durften auch heute nicht fehlen. Wobei mich heute ein außer Kontrolle geratener dreijähriger Italiener ziemlich genervt hat. Schon als ich Schwimmen war, schrie er den ganzen Strand zusammen, weil die Schaukel besetzt war, die er gerne geschaukelt wäre. Und an der Strandbar wollte er nach dem Gebäck, das er verspeist hatte, noch das Eis seines großen Bruders. Dieser hat sich tatsächlich erlaubt, sein Eis selbst zu essen. Also wieder das ganz große Theater. Oma wurde ihm nicht Herr, für Opa war Erziehung Frauensache. Sie alle traten (sehr spät) die Flucht an. Wie sagt Monika Gruber: „Bei uns dahoam wurde ganzheitlich erzogen. Wenn Du nicht gefolgt hast gab es links und rechts…).

Auf dem Rückweg vom See habe ich getankt und die treue Vespa abgegeben. Grazie e arrivederci!

Nun packe ich zusammen und gönne mir noch ein Abendessen im Ristorante gegenüber: Ristorante Antica Vittorio.

Das Restaurant war wirklich ein Glücksgriff. Ein familiengeführter Betrieb, der unglaublich viel Herzlichkeit und Lebensfreude ausstrahlt. Einige Kellner sprechen Deutsch.
Zu meinem Urlaub passt schon die Innenausstattung des im ersten Stock gelegenen Lokals:

Ich habe den Hauswein bestellt, der aus der Gegend stammt. Wie aus der Proseccogegend zu erwarten, war es ein prickelnder Roter. Mir eine Idee zu süß, aber dennoch gut.

Für meinen Bruder wäre es das perfekte Restaurant, weil die Familie vom Meer stammt und auf Fisch spezialisiert ist. Es gab gemische Fischantipasti, die ich so zuvor noch nie gegessen hatte:

Dann gab es Wolfsbarsch, der vor meinen Augen filetiert wurde, dazu gegrilltes Gemüse, das mir zu wenig war, weshalb ich noch etwas Spinat dazu bestellte. Ein Stück Polenta war auch noch auf dem Teller:



Ein wirklich großartiger Abschluss meines Urlaubs.
Der Urlaub ist vorbei. Morgen um 5.00 Uhr starte ich los, so dass ich hoffentlich um 11.00 Uhr zu Hause sein werde. Eine Nacht zu Hause, dann werde ich auf meine eigene Vespa steigen und das Wochenende in Eching bei Landshut verbringen, um Lena mit David zu verheiraten.
DANKE

